Als Karla Paul am Sonntag bei den buchmesse:blogger sessions ihre
Keynote beendete, fing es an leicht zu köcheln auf Twitter. Karla forderte uns Buchblogger auf, „Vollprofis [zu werden] für die leidenschaftliche Hingabe zum Buch“. Von ihr stammt auch der Satz im Titel: „Kommt endlich raus aus eurer Emo-Flauschzone und stellt euch der dringend notwendigen Professionalität“
Flauschzone? Recht hat sie. Wann haben wir das letzte Mal richtig über etwas diskutiert? Oder uns über etwas aufgeregt? Mir fällt da spontan nichts ein, also außer das ewige „Ich hätte gerne mehr Kommentare“ oder „Rezensionsexemplare sind gut/böse“.
Also professioneller werden. Sich mit SEO und Google Analytics beschäftigen. Sich vernetzen und Bloggerkonferenzen besuchen. Ist das so schwer? Da Unwissenheit nicht vor Strafe schützt, kann es sowieso nicht schaden, sich regelmäßig zu informieren z.B. über die Impressumspflicht. Natürlich ist es jedem selbst überlassen, wie professionell er sein Hobby betreiben will.
Nur gehen heute doch alle nur noch mit Pulsuhr und Smartphone-Tracker laufen und jeder Lauf wird akribisch analysiert. Wenn joggen gehen also schon fast eine Wissenschaft ist, auch im Hobby-Bereich, warum wehren sich so viele im Buchblogger-Bereich dagegen etwas professioneller zu werden?
Muss ja nicht gleich die ganze Palette sein, ein Media Kit ist nicht soo schwer zu erstellen. Und ein Blick auf Google Analytics hat meines Wissens auch noch niemanden getötet und man hat gleich ein viel besseres Verständnis dafür, wer den eigenen Blog liest. Und vielleicht sind die Grundlagen von html auch nicht so schlecht, man muss ja nicht gleich den Blog komplett selbst programmieren.
Aber: Wenn wir professioneller werden, müssen es die Verlage auch werden. Leander Wattig forderte das in der Abschlussdiskussion mehrfach und ich finde, er hat Recht. Es ist oft schwer, den richtigen Ansprechpartner zu finden und die Kriterien, die die einzelnen Verlage anlegen, sind oft nicht transparent. Und wie oft habe ich mich schon geärgert über Bloggerinnen mit geringer Reichweite und 2-Satz-Rezensionen, die massenhaft Rezensionsexemplare bekommen. So etwas darf einfach nicht passieren von Seiten der Verlage, denn es schadet allen. Den Verlagen, weil sie wo anders mehr Reichweite bekommen hätten und den Bloggern, weil die Verlage so teilweise ein falsches Bild von der Bloggergemeide bekommen.
Was ich mir von Bloggern wünsche:
Impressum!
Datenschutz!
lesbare Seiten!
Was ich mir von Verlagen wünsche:
Transparenz!
Erwähnung von guten Rezensionen und Interviews!
Respekt!
„Literatur ist eine Milliardenindustrie und ihr findet ernsthaft kein anderes Geschäftsmodell als Herzblut?“ – Karla Paul
Auf Twitter kochte es richtig hoch, als im Rahmen des Blogger Relation Talks die Frage nach der Bezahlung aufkam. Die anwesenden Verlagsvertreterinnen schienen ob dieser Wendung nicht besonders begeistert. Es wurde zugegeben, dass im Rahmen von Marketingaktionen durchaus schon Blogger bezahlt wurden: Beautyblogger (und Booktuber). Haben die wirklich so viel mehr Reichweite als ein Buchblogger? Klar, vielleicht die ganz Großen. Aber die Mehrheit? Und doch ist es im Bereich der Nicht-Buchblogs durchaus gang und gäbe sich für Beiträge bezahlen zu lassen. Warum also bei uns nicht?
Erstes Problem: Wenn eine Rezension bezahlt wird, ist sie dann noch unabhängig?
Nur weil man für etwas Geld bekommt, heißt es nicht, dass man deswegen seine Meinung ändert. Ich bekomme ja auch vom Bafög-Amt Geld und halte die Damen und Herren dort trotzdem für faul und inkompetent ;) Aber natürlich ist das ein Problem, nur: Wer sagt denn, dass Geld für Rezensionen die einzige Möglichkeit ist mit einem Buchblog Geld zu verdienen? Wer sagt, dass wir für Rezensionen Geld nehmen sollten? Ich finde diese Idee nämlich auch eher weniger optimal. Zu mindestens wenn es direkt auf eine bestimmte Rezension bezogen ist. Wenn, dann würde das – meiner Meinung nach- nur über eine Art Verwertungsgesellschaft funktionieren.
Und viele bekommen doch auch jetzt schon Rezensionsexemplare, auch das ist eine Form der Entlohnung. Kannst du beweisen, dass jede deiner Bewertungen eines Rezensionsexemplars genauso ausgefallen ist, wie wenn es keines gewesen wäre? Meiner Meinung nach ist das nicht möglich, auch wenn ich selbst sagen würde, dass ich mich nicht davon beeinflussen lasse. Nur: Es zu beweisen ist eine ganz andere Sache.
Also andere Möglichkeiten Geld zu verdienen: Mit Backlinks, mit speziellen Aktionen für die man Geld bekommt, mit Werbung… Für alle diese Sachen muss man nicht seine Glaubwürdigkeit verkaufen! (Kann es natürlich aber tun, wir sind hier ja schließlich in der Buchblogger-Flauschzone, da kann jeder machen was er will ;))
Zweites Problem: Dafür braucht man dann ja ein Gewerbe? Und muss Steuern zahlen?
Natürlich, wir sind hier schließlich in Deutschland. Da ist alles geregelt. Und es muss ja auch nicht jeder mit seinem Blog Geld verdienen. Ich werde die nächsten 1,5 Jahre wohl nicht die Zeit haben. Und vor allem die Geduld mich mit den Behörden auseinander zu setzen, als Studentin ist das Thema Selbstständigkeit nämlich eine komplizierte Sache. Aber wenn ich im Praktischen Jahr bin, warum nicht? Als Apothekerin kann Erfahrung darin, wie man ein Gewerbe führt, nur hilfreich sein. Und wenn ich damit das magere Gehalt aufbessern kann? Finde ich gut!
Drittes Problem: Entsteht dann nicht Neid? Was ist mit denen, die kein Geld bekommen können/wollen?
Joah, Pech gehabt? Mal ehrlich: Wir sind hier nicht im Wolkenland der Glückbärchis wo immer Friede, Freude, Eierkuchen ist! Klar wird es Neid geben. Aber den gibt es jetzt auch schon. Neid auf Leserzahlen, auf Kommentare, auf Blogdesigns, auf Einfälle für Blogposts… Vielleicht kann ich das auch nicht so nachvollziehen, weil ich persönlich ein Mensch bin, der nicht besonders neidisch ist (gut, genaugenommen sind mir die meisten extremen Gefühlsregungen fremd. Ich bin Ostfriesin, wir haben das nicht so mit den Gefühlen :D).
Wie genau sich das auswirkt, kann man natürlich nicht vorhersehen, aber unter den Mode- und Lifestyleblogs existieren auch Blogs, mit denen kein Geld verdient wird, und soweit ich das mitbekomme, sind Streitereien da auch nicht häufiger, als unter Buchbloggern.
Und was ist nun das Fazit?
Professionalisierung: Ja, bitte. Auf allen Seiten. Nur so wird eine Begegnung auf Augenhöhe möglich.
Monetarisierung: Wer will gerne, nur bezahlte Rezensionen haben einen faden Beigeschmack für mich.
Was sagst du zu diesem Thema? Warst du in Leipzig dabei? (Übrigens: Nachhören kann man auf Voicerepublic)Würdest du mit deinem Blog Geld verdienen wollen? Was würdest du dir von den Verlagen wünschen im Umgang mit Bloggern?
Eine Linksammlung zum Thema findet ihr in der Seitenleiste unter "Links zur Professionalisierungs-Diskussion", ich werde versuchen sie aktuell zu halten.
Danke an
Ascari und
Mira Alexander, die diesem Beitrag auf Verständlichkeit geprüft haben. Vor allem danke an Mira, die das eine oder andere Komma (oder auch 20 ;) )gesetzt hat. Alle Fehler sind natürlich weiterhin meine eigenen :)