An dieser Stelle sollte heute eigentlich ein ganz anderer Beitrag veröffentlicht werden. Nämlich ein Interview mit der Übersetzerin Christine Blum. Aber grade ist etwas anderes wichtiger.
Ich habe das Gefühl, als ob die Welt jetzt endgültig verrückt geworden ist.
Trump regiert quasi per Executive Order und die global gag rule, über die ich mich Anfang der Woche noch so aufgeregt hatte scheint heute das geringste Übel. Gut, das Einreiseverbot haben mehrere Richter mittlerweile teilweise wieder kassiert. Aber eben nur in Eilverfahren, eine richtige Entscheidung steht noch aus.
Theresa May ist grade aktiv auf der Suche nach neuen Verbündeten. Und schließt ausgerechnet mit der Türkei Verträge ab. Dass der Frieden in Irland grade am kollabieren ist, interessiert sie nicht.
Die Lage in Syrien wird auch nicht besser, auch wenn unsere Medien grade lieber über die USA berichten. In Libyen soll es angeblich KZ-ähnliche Einrichtungen in der Wüste geben. Und große Teile Afrikas hungern. Immer noch.
Tja und hier in Deutschland? Der Herr Seehofer verteidigt Trump. Die AfD hat in aktuellen Umfragen mehr als 10% und würde je nach Umfrage sogar drittstärkste Partei im Bundestag werden. Die Reichsbürger und andere rechte Spinner werden immer mächtiger und immer mehr zur Gefahr
.
Und ich? Ich sitze hier und lerne und versuche mich abends von dieser Welt abzulenken. In dem ich irgendwelche seichten Filme gucke oder ein feel-good-Buch lesen. Auf meinem Nachttisch liegen momentan drei Bücher, die ich alle schon angefangen habe: „Und in mir der unbesiegbare Sommer“, „1984“ und „Little Brother“. Im Moment mag ich keins davon weiterlesen. Sie sind einfach so unglaublich nah an der Realität. Grade „Little Brother“ spiegelt sehr viel von dem wieder, was grade in den USA vorgeht. Stattdessen habe ich gestern drei Folgen Doctor Who geguckt und anschließend noch Billy Elliott. Und dann habe ich im Bett angefangen nochmal „Daddy long-legs“ zu lesen.
Ich nutze Bücher als einen Fluchtort. Schon immer. Selbst schwierige Bücher sind eine Art Flucht, denn alle Probleme in ihnen kann man durch das Schließen des Buches lösen. Zu mindestens aus der Perspektive des Leser. Es tut gut einen Rückzugsort zu haben, eine ganze Welt in der es keine Probleme gibt. Eine Welt mit einem Happy End.
Aber irgendwie fühle ich mich auch schuldig. Wie kann ich es wagen mich in eine Fantasie-Welt zurückzuziehen, wenn da draußen die Welt mit jeder Minute mehr durchdreht? Was gibt mir das Recht mich da nicht drum zu kümmern? Selbst wenn es nur einige Stunden sind in denen ich mich nicht drum kümmere.
„Willst du Waffen? Wir sind in einer Bibliothek! Bücher! Die besten Waffen der Welt!“ – Der Doktor
Da kann mich selbst der Doktor nicht trösten. Ja, Bücher sind Waffen. Aber dafür muss man auch die richtigen Bücher lesen. Und ob meine Fluchtbücher dazu gehören? „Es gibt immer ein Happy End“ ist schließlich nicht so wirklich zutreffend auf die reale Welt. Sollte ich nicht eher endlich mal die oben genannten Bücher zu Ende lesen? Grade "1984", das ja im Moment wieder auf den Bestseller-Listen ist? Okay, zu „Little Brother“ planen wir grade einen Blogtour und Leserunde, also werde ich es spätestens Ende Februar sowieso (nochmal) lesen. Es ist ein tolles und wichtiges Buch. Aber im Moment möchte ich es am Liebsten wieder ins Regal stellen und es erstmal vergessen. Ist das okay? Sollte ich mich mehr aufregen? Mehr über relevante Bücher sprechen? Ich weiß es nicht.
Heute Abend werde ich wieder ein Wohlfühlbuch lesen. Es gibt schon genug Dinge, die mich am Schlafen hindern. Da muss meine momentane Lektüre nicht auch noch dazu beitragen.
Wie stehst du dazu?








