Worum es geht? Um ein Internat auf einer alten Burg. Die dort lebenden Jungs bezeichnen sich selbst als Ritter und haben einen Ehrencodex. So sind Streiche voll okay, solange nichts und niemand dabei zu Schaden kommt. Und in Klassenarbeiten wird natürlich auch nicht abgeschrieben. Ehrensache.
Diesen Herbst kam dazu ein Film in die Kinos. Wahrscheinlich, weil die Verfilmung von Hanni und Nanni so gut funktioniert hat. Und nein: Ich habe diesen Film noch nicht gesehen. Ich habe auch nicht vor ihn mir anzusehen. Vielleicht irgendwann mal auf DVD oder im Fernsehen. Warum? Weil Stephan, Ottokar, Mücke und Co. quasi die ersten Buchcharaktere waren in die ich irgendwie verliebt war. Und in diesem Film sind die so etwa 11. Nicht so 15-16, wie im Buch (also genaugenommen wird das nicht gesagt, aber es gibt die „Kleinen“ und die „Großen“ dort und die „Großen“ sind alt genug um zu flirten und ernsthafte Beziehungen zu führen… Also würde ich sagen, dass die so etwa Beginn der Oberstufe sind). Das kommt mir irgendwie seltsam vor. Außerdem hat Mauersäge Haare…
Aber worum es eigentlich geht: Nachdem ich im Kino den Trailer gesehen habe, habe ich den ersten Band der Reihe nochmal gelesen. Es fühlte sich irgendwie komisch an. So war mir gar nicht bewusst, dass Stephan wirklich schon im ersten Band auftaucht. Und das Mücke da nur eine untergeordnete Rolle spielt. Und wie viel Sport die machen.
Auf der anderen Seite habe ich mich gleich von Seite 1 an zu Hause gefühlt. Ich kenne alle Personen und ihre Fehler und Vorzüge. Ich kenne die Regeln, nach denen das Leben dort abläuft und den Grundriss der Burg.

Aber dann sind da die Witze, die vor gut 10 Jahren einfach an mir vorbeigegangen sind. Oliver Hassencamp war eben nicht „nur“ ein Jugendbuchautor sondern auch Kabarettist und Schauspieler. Heute wäre er wahrscheinlich Blogger und würde sich wortgewaltig über alles von der Beststellerliste bis zur AfD aufregen. Die Schreckenstein-Jungs sind auf der Oberfläche einfach nur eine Gruppe cooler Typen, die viel Spaß haben. Das ist quasi die jugendfreie Version der Bücher. Aber auf der anderen Seite sind sowohl Ottokar als auch Stephan in die mehrere Jahre ältere Tochter eines der Lehrer verliebt. Und versuchen mit ihr zu flirten. Mit Wallenstein-Zitaten. Aber okay, die 70er und 80er waren eine andere Zeit ;)
Dazu kommt die kaum versteckte Gesellschaftskritik. Vom Sohn des Bürgermeisters, der natürlich auf die modernste Schule der Stadt geht während die alte Schule der Schreckensteiner völlig überfüllt ist, bis zum Ablehnen von Rauchen und Trinken von Seiten der Ritter.
Dazu kommt die kaum versteckte Gesellschaftskritik. Vom Sohn des Bürgermeisters, der natürlich auf die modernste Schule der Stadt geht während die alte Schule der Schreckensteiner völlig überfüllt ist, bis zum Ablehnen von Rauchen und Trinken von Seiten der Ritter.
Klar, auch Schreckenstein hat seine Schattenseiten. Vieles was in den Büchern als „Streich“ abgetan wird ist eigentlich schon eher Mobbing. Und ein Schulleiter, der zulässt, dass einer seiner Schüler den Allerwertesten mit Spannlack eingepinselt bekommt, wäre seinen Job heute wohl doch recht schnell los.
Ich finde es trotzdem sehr schade, dass diese Buchreihe wenig bekannt ist. Und das es meines Wissens nach nichts Vergleichbares gibt in der heutigen Jugendliteratur. Klar, in der heutigen Zeit fehlen auch den Schreckenstein-Büchern wichtige Themen. So gibt es glaube ich keinen Band in dem sich mit Sexualität (in welcher Form auch immer) befasst wird. Und die Diversität ist recht dünn gesät. Aber dafür sind die Bücher jetzt ja auch schon 40 Jahre alt.
Wie wäre es liebe Egmont Verlagsgruppe: Komplette Neuauflage (die ersten drei Bücher gibt es schon) mit der ursprünglichen Schneiderbuch-Aufmachung? Vielleicht in Sammelbänden? Ich würde sie kaufen, die Ausgaben meines Vaters fallen leider auseinander und meine Eigenen sind eine grässliche, blaue Neuauflage von 2005.
























