Moin!
Für meinen Beitrag zu „Wir stopfen das Sommerloch mit Klassikern“ habe ich alle meine Verbindungen spielen lassen und konnte so ein exklusives Interview mit Judy Abbott führen. Das Ganze involvierte eine Zeitmaschine aber ich habe es geschafft.
Judy ist nämlich die Hauptfigur in „Daddy Langbein“/ „Daddy Long-legs) (leider aktuell nur auf Englisch erhältlich). Sie ist eine Waise, der ein reicher Mann, den Besuch eines Colleges ermöglicht. Einzige Bedingung: Judy soll ihm jeden Monat einen Brief schreiben und über ihren Alltag berichten. Aus diesen Briefen besteht „Daddy Langbein“, teilweise sind diese auch mit witzigen Zeichnungen versehen.
Ich habe beim Lesen Judy sofort ins Herz geschlossen, sie ist einfach so unglaublich positiv und lustig. In vieler Hinsicht erinnert sie mich an eine andere berühmte Waise: Anne von Green Gables. Beide träumen von schönen Kleidern und davon Schriftstellerin zu werden. Und beide sehen die Welt immer positiv.
Aber nun zu meinen Fragen:
Wie ist das berühmt zu sein?
Seltsam, wirklich sehr seltsam. Natürlich habe ich hart gearbeitet um Autorin zu werden, aber das es jetzt ausgerechnet mein Briefe an Daddy Langbein sind. Und nicht nur die netten und lustigen sondern auch die Briefe, auf die ich wirklich nicht stolz bin.
Du warst auf einem reinen Mädchencollege; war das nicht langweilig?
Nein, nein. Wir hatten eine ganz famose Zeit, nur die Predigt am Sonntag war immer schrecklich. Die Herren waren viel zu sehr davon überzeugt, dass wir unsere weiblichen Tugenden vergessen würden vor lauter Bildung. Die wissen doch gar nichts.
Deine Freundin Sally hat sich jetzt des Waisenhauses, in dem du aufgewachsen bist, angenommen. Wie fühlt sich das an, dass sich da jetzt vieles ändert?
Sally ist wirklich die beste Person für so eine Aufgabe, sind findet immer für alles eine Lösung und hat meistens gute Laune! Auch wenn ihre Briefe in letzter Zeit wenig optimistisch klingen, aber ich bin mir sicher, dass sie es schafft, dass zukünftige Waisen ein besseres Leben haben werden als ich. Weißt du, diese karierten Kleider waren wirklich scheußlich. Da konnte man einfach keine gute Laune haben.
Heute wären die Menschen schockiert, wenn ein Waisenhaus so geführt werden würde wie das John-Grier-Heim. Stattdessen gibt es heute eher Pflegefamilien und Wohngruppen.
Wirklich? Sehr interessant. Viele Menschen machen sich einfach keine Gedanken darüber was mit den armen Waisen passiert. Selbst die Aufsichtsräte kümmern sich außerhalb ihrer monatlichen Besuchen nicht darum was passiert. Wobei nicht alles schlecht war: Sonntags gab es Eis und zu Weihnachten einen Tannenbaum! Und schließlich wäre sonst nie Daddy Langbein auf mich aufmerksam geworden. Dann wäre mein Leben sicher schrecklich langweilig.
Die Briefe von Sally (nicht nur an Judy) sind übrigens in „Lieber Feind“/“Dear Enemy“ zu finden. Darin erfährt man auch was aus Judy geworden ist nach dem College. Meiner Meinung nach sind beide Bücher auch auf Englisch sehr gut zu lesen, mit nur etwa 200 Seiten (Daddy Langbein) bzw. etwa 300 Seiten (Lieber Feind) dauert es auch nicht allzu lange.
Die Autorin der beiden Bücher, Jean Webster, starb leider 1916 bei der Geburt ihres ersten Kindes. Viel zu früh meiner Meinung nach. Sie kam aus einer eher wohlhabenden Familie und besuchte das Vassar College, bevor sie ihr erstes Buch veröffentlichte. In all ihren Büchern, machte sie sich für Frauenbildung stark und für das Frauenwahlrecht. Übrigens war sie eine Großnichte von Mark Twain und ihr Vater führte dessen Verlag.
Ich habe beide Bücher dank
Project Gutenberg entdeckt. Für Klassiker eine wirklich tolle Möglichkeit, auch viele deutsche Klassiker findet man dort als epubs.
Morgen geht es weiter bei Tanja auf
Lesen und Mehr. Schau doch vorbei. Toll wäre es auch, wenn
meine Umfrage zum Thema noch ein paar mehr Antworten bekäme, es gibt auch eine ganz tolle Auswertung am 31. August :)
Eine Liste mit allen Stops dieser Aktion ist bei Nicole auf
lilstar.de zu finden. Wie ich es bisher getan habe werde ich auch die nächsten Beiträge auf Facebook teilen. Und auf Twitter, wenn ich dran denke.