Zu einem Buch gehören viele Menschen. Nicht nur der Autor. Und etwas das grade bei Büchern aus dem Ausland sehr wichtig ist, ist der Übersetzer. Ich durfte (danke Vermittlung vom dtv Verlag! Danke nochmal dafür!) Christine Blum einige Fragen stellen.
Frau Blum hat (ab dem zweiten Band) eine meiner absoluten Lieblingsbuchreihen übersetzt: Die Flüsse von London. Der neue Band dieser Reihe erscheint im Mai auf Deutsch (und ich hoffe ich habe Frau Blum nicht allzu sehr bei der Arbeit gestört).
Aber jetzt geht es los:
Wie sind Sie dazu gekommen, Bücher zu übersetzen?
Übersetzt habe ich schon immer gerne. Schon in der Schulzeit Gedichte und Lieder, einfach zum Spaß. Im Studium (erst ein paar Semester Medizin, dann Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften) kam ich in Kontakt mit einem kleinen Verlag für Fantasy-Rollenspiel-Regelwerke; für ihn machte ich meine ersten professionellen Übersetzungen. Danach hatte ich bei Initiativbewerbungen Glück – und eine Freundin, die Verlagslektorin wurde.
Wie sieht bei Ihnen ein typischer Arbeitstag aus?
Ich versuche zu einer normalen Arbeitnehmer-Zeit aufzustehen und bis etwa mittags zu arbeiten.
Dann gehe ich raus (Sport / Einkaufen / mit einer Freundin spazieren gehen oder Kaffee trinken oder eine Kombination daraus / Gartenarbeit). Je nachdem, wie lange das dauert, arbeite ich bis in den Abend hinein, um das Pensum zu schaffen, das ich mir für den Tag vorgenommen habe.
Zwischendurch erledige ich Hausarbeit, füttere die Katze, mache mir etwas zu essen – gern interessante neue Kochrezepte – und gelegentlich mache ich etwas Musik oder bin sonstwie kreativ.
Lesen Sie ein Buch, dass sie übersetzen, erst ganz oder übersetzen sie stückweise?
Meistens will ich mir die Spannung nicht nehmen und fange einfach Seite für Seite an; bei manchen Büchern bin ich aber so vernünftig, sie zu lesen, um Ungereimtheiten im Original noch vor der Veröffentlichung dem Verlag melden zu können.
Wie lange dauert es, ein Buch zu übersetzen?
Für die typischen 300-350-Seiten-Bücher sind 3 Monate ideal; in 1 Monat sind die meisten unter Stress machbar (man streiche im Tagesablauf die meisten Freizeitaktivitäten und Kochexperimente).
Haben Sie beim Übersetzen Kontakt zu den jeweiligen Autoren?
Eher nein, manchmal ergibt es sich aber – zu Ben Aaronovitch habe ich einen sehr guten Draht.
Wie wichtig ist es, dass die Schreibstile des Autors und des Übersetzers übereinstimmen?
Ich kann mich recht gut auf andere Stile einlassen. Beim Übersetzen „färbt“ der Stil des Autors automatisch ein bisschen auf mich „ab“, sodass ich sogar beim Schreiben von Mails an Freunde o.ä. oft feststelle, dass ich sie dem Stil des momentanen Autors angleiche. Andererseits verleihe ich meinen Übersetzungen sicherlich immer auch etwas von meinem eigenen Stil.
Wie weit kann man den eigenen Übersetzungs-Stil konsequent (über den gesamten Text hinweg) "strecken/verändern"?
Wie gesagt, ich glaube, das geht bei mir ein Stück weit automatisch. Man liest ja auch ständig das Original und wird mit dessen Stil „geimpft“. Andererseits denke ich, sich als Übersetzer ganz zu verleugnen ist unmöglich und auch nicht gut; denn dafür ist man ja Übersetzer, um durch sich selbst hindurch den Lesern ein Werk nahezubringen.
In der Peter-Grant-Reihe gibt es sehr viele Anspielungen auf die Pop-Kultur, wie gehen Sie damit um? Sind solche Sachen überhaupt übersetzbar?
In vielen Fällen ja. Wenn es allerdings um Dinge geht, die in Deutschland nur absoluten England-Kennern bekannt sein können, überlege ich, sie wegzulassen, um die Leser nicht zu irritieren.
Wie gehen Sie mit Wortspielen um? Gibt man da als Übersetzer einfach auf und sagt sich „dann halt eben nicht“?
Überraschend oft kann man sie doch übersetzen oder etwas Gleichwertiges finden! Und zum Ausgleich für die wirklich Unübersetzbaren bietet sich manchmal für eine Stelle, wo im Englischen keines ist, ein deutsches an. Das sind Aufgaben, die ich als Herausforderung sehe.
Was war bisher das Schwierigste, was Sie übersetzt haben?
Also, die Peter-Grant-Reihe rangiert da schon sehr hoch oben – einfach wegen all der Anspielungen, Wortspiele, der Fachbegriffe aus Polizei, Architektur usw., der historischen Bezugnahmen und vielem anderem!
Fällt es Ihnen leichter eine Geschichte zu übersetzen, wenn sie Ihnen selbst auch gefällt?
Eigentlich nicht. Wenn sie mir zu gut gefällt, lenkt mich das eher ab 😊 – das ist auch bei „meinem Jazzpolizisten“ so, wie ich persönlich Peter Grant nenne (ich habe die Serie ja erst mit dem zweiten Band übernommen, in dem Jazz eine Hauptrolle spielt). Insofern habe ich überhaupt kein Problem damit, Bücher zu übersetzen, die nicht so mein Fall sind. Und den meisten kann ich doch irgendwie etwas abgewinnen, selbst wenn ich sie mir nie selbst kaufen würde.
Welche Bücher lesen Sie persönlich gerne?
Spannung auf gutem Unterhaltungsliteratur-Niveau. Gern realistisch, gern von gesellschaftlichen und interpersonellen Konflikten getragen, gern in historischer, Krimi- oder Fantasyform. Beispiele: Volker Kutscher, George R.R. Martin, „Krieg und Frieden“ von L.N. Tolstoj.
Nicht so mein Fall sind reine Lovestories und Familienepen.
Wie stellen Sie sich Ihre perfekte Leseumgebung vor?
Draußen Regen oder Dunkelheit; ein warmes Zimmer, ein Sofa oder ein Sessel, ein Milchkaffee, eine Katze.
Tee oder Kaffee?
Kaffee immer, Tee eher mit Freunden.
Sommer oder Winter?
Und Frühling und Herbst!
Kaffee immer, Tee eher mit Freunden.
Sommer oder Winter?
Und Frühling und Herbst!
Achtest du beim Lesen auf die Übersetzer?
Übrigens danke an die lieben Menschen auf Twitter, die mir bei der Fragenfindung geholfen haben. Leider bekomme ich nicht mehr alle Namen zusammen. Sorry! Ihr wisst wer ihr seid <3
